Ich war Opfer von drei Einbrüchen. Meine Erfahrungen und wie ich damit lebe.

Wie jeden Tag kommst du nach Hause, möchtest die Tür öffnen und merkst, dass die vielleicht schon auf ist. Innerlich nervst du dich ab deinem Partner/deinem Papa/deiner Mama/wer auch immer mit dir wohnt, dass er/sie nicht abgeschlossen hat. Laufst rein und siehst am Boden einfach Dreck, überall Dreck. Weiter siehst du dann plötzlich all deine Schäfte und Türen offen, alles was drin lag am Boden, zerbrochen, schmutzig, usw. Und da fängt dein Herz zu pochen. Du bekommst Angst, denn langsam verstehst du, da ist was passiert, was nicht hätte sein sollen. Als du es realisierst und deine Wäsche am Boden siehst, dann fühlst du dich so verletzt. Irgendjemand Unbekanntes hat ungefragt in dich hinein berührt. Du fühlst dich Opfer von Gewalt. Von einer Ungerechtigkeit. Dir ist egal was alles weg ist, du hast dieses Gefühl von Schutzlosigkeit. Wehrlos. Jemand hat in deinem Haus gewühlt. In deinem Ich. Du könntest nur noch kotzen vor Wut und Enttäuschung. 

 

Ja, etwa so fühlt sich das an. Drei Mal durfte ich das erleben. Das erste Mal war ich ca. 9-10 Jahre jung, in Italien. Da denkt man: "ok, in Italien ist halt die Kriminalität hoch und so". Tja, die anderen zwei Male waren's in der "sicheren" Schweiz.

 

Noch heute habe ich die Bilder vor Augen. Das erste Mal war einfach alles dreckig. Fussspuren überall. Alles wurde auseinandergenommen. Alles! Sogar unsere Kinderkleidung! Ich habe immer noch den endlosen Schrei meiner kleinen Schwester in den Ohren. Sie schrie, sie schrie ganz laut und ganz lange. Ich stand da, stumm und ängstlich. Natürlich hat die Polizei damals nicht viel machen können. Ich musste mich vom Schmuck meiner Oma verabschieden, das war nicht so toll. Aber zum Glück habe ich meine Oma noch heute, und das ist wichtiger. Ich weiss noch, damals war ich religiös, und ich konnte nicht mehr schlafen ohne meine Bibel neben mir. Ganz lange betete ich jeden Abend zu Gott, dass heute Abend niemand kommen soll. Ich hatte einfach Angst, so viel Angst. Ich bildete mir ein, dass die Bibel wie eine Schutzfunktion für unsere Familie übernahm. Zumindest konnte ich so wieder schlafen.

 

Das zweite Mal ganz frisch aus Italien in die Schweiz zurückgewandert (wir lebten zwei Jahre in Italien). In einer kleinen Stadt namens Langenthal. Wir wohnten im zweiten Stockwerk eines Wohnblockes. Und genau unsere Wohnung haben sie ausgesucht, warum? Aber ich weiss, man sollte sich nie fragen "warum". Es passiert einfach. Die Tür stand offen, es war zwar kein Dreck vorhanden aber auch hier wurde einfach alles auseinandergenommen. Als hätte uns ein Tornado besucht. Da nahm ich das Ganze schon easier, ich war da 11. Ich dachte, Hauptsache waren wir nicht zu Hause. Das einzig "schöne" an diesem Mal, diesmal hat die Polizei die Diebe festgenommen und wir erhielten unsere Sachen zurück, u.a. den Ehering meiner Mutter. Das vergesse ich nie! Danach erhielten wir vom Verwalter eine Mega-Tür. Nicht mehr die alte normale, nein, eine mit extra Sicherheit, ich weiss nicht wie man die nennt. Ich würde sie "bombensichere Tür" nennen :-) hehe... So fühlten wir auch sehr schnell wieder sicher und geschützt. Und ich hatte keine schlaflosen Nächte wie beim ersten Mal. Ich konnte sehr schnell wieder "weiterleben".

 

Und dann kam das dritte Mal. Ganz frisch mit meinem jetzigen Ehemann im Haus eingezogen (ja, immer ganz frisch, ich darf wohl nicht umziehen, grrr!), diesmal auch wieder mit Dreck. Zudem wurde sogar unser Ess-Vorrat mitgenommen. Was soll das bitte? Und sie haben sogar gepicknickt, wie es aussieht. Ein Bisschen Schinken da, ein Bisschen Brot dort... Eigentlich wünsche ich niemanden was Böses, aber denen habe ich ganz viel Durchfall gewünscht! Sodeli! Dieses Mal war es aber wieder mal weniger schlimm für mich, dieses "ecklige" Gefühl verschwindet mit der Zeit einfach. Zwar fühlt man sich immer noch verletzt, aber man denkt wirklich: Hauptsache wir waren nicht zu Hause und uns geht's gut! Für meinen Mann war das, das erste Mal, ihm ging es etwa wie bei mir beim ersten Mal. Wir holten auch sehr schnell unsere Mittelchen, damit wir uns sicher fühlten. Alarmanlage und Pfefferspray, für alle Fälle :) Bis heute *holz alänge" wurde ich nun verschont. Ich hoffe ich habe mein Einbruch-Budget nun aufgebraucht, und muss sowas nie wieder erleben. Vor allem jetzt, wo ich Mama bin, uuuuhhh... ich fühle und bin anders. Ich bin jetzt wohl zur schlimmsten Alarmanlage überhaupt mutiert worden. Ich bin jetzt 'ne Mama! 

 

Ob ich jetzt Angst habe wenn ich alleine zu Hause bin? Nein! Gar nicht! Erstens Mal hab ich ja kein Gold mehr oder so - ihr Armen, ihr habt mir alle Schmuckstücke bereits weggenommen, vielen Dank! - ich denke nicht, dass die nach Lippenstiften und Mascaras suchen... Ich fühle mich trotz allem hier in der Schweiz sehr sicher. Und bin so extrem dankbar, darf ich hier wohnen. Klar, gibt es hier auch Kriminalität, wo auch nicht heutzutage? Trotzdem funktioniert hier vieles eben viiiel besser als in anderen Ländern. Ganz ein doofes, einfaches Beispiel: Man wird hier nicht umbedingt überfahren, wenn man vor den Fussgängerstreifen wartet - wenn meine Verwandten von Italien da sind, sind die nämlich jedes Mal extremst überrascht, wenn ein Wagen vor den Fussgängerstreifen anhaltet.

 

Und liebe Leute, einfach dass ihr das wisst, meistens wird man tagelang oder länger überwacht. Damit sie genau dann kommen, wenn wir nicht zu Hause sind. Manchmal werden auch Zeichen vor der Tür oder bei dem Briefkasten gekratzt. Ich hab schon Striche gesehen, so wie "hier leben drei Personen, also drei Striche". Ich will niemanden Angst machen, aber für die die sich interessieren, es reicht ein Bisschen die Augen noch mehr aufzumachen. Und wenn ihr mögt, dann liest mal die Tipps der Polizei in euerer Nähe. Ja, die haben auch Tipps für uns! Befolgt die! Sie möchten ja auch lieber vorbeugen... Und wenn es dann passiert, dann - wie sagt man schön - Aufstehen, Krönchen richten und weitermachen. Denn so lange es nur Materielles Zeugs ist, ist's nicht wichtig. Hauptsache es geht uns gut. Materielles kann man kaufen, Leben nicht...

 

Und du, hast du auch schon mal einen Einbruch erlebt? Wie fühlst du dich?

 

XOXO

 

 

Vali

 

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